No Fancy Shit

Mach nicht was alle machen, mach was wirkt

Halle Berry arbeitet am liebsten nach ihrem 5-Punkte Programm von Harley Pasternak, dem kanadischen Fitnessguru. Fünf kleine Mahlzeiten und sportliche Betätigung über den Tag verteilt zu je 5 Minuten, wie zum Beispiel Seilspringen, Aquajogging, Walking mit Hanteln oder Aerobic. Cameron Diaz hingegen meint, Surfen sei ein super Muskeltraining.

Muskeltraining durch Surfen? Walking mit Hanteln? What the f*ck??! Wenn dir bei solchen Aussagen noch nicht die Galle hochkommt, dann lies doch am besten gleich folgenden Blogartikel „….“

Aber nun ja, lassen wir das mal so stehen… schließlich geht es hier um dich, nicht um Cameron Diaz. Welchen schwachsinnigen Ratschlägen von Freunden, Promis, Trainern und selbsternannten Fitnessgurus eiferst du nach?

  • Du musst Low Carb essen, hat Marion gesagt.
  • Du musst mehr essen, dein Stoffwechsel schläft ein, hat deine Mutter gesagt.
  • Du musst deinen Schwabbel in Frischhaltefolie verpacken, hat Simone gesagt.
  • Du musst deinen Säure-Basenhaushalt im Gleichgewicht halten, hat dein Arzt gesagt.
  • Du brauchst Variation in deinem Trainingsplan, hat dein Freund gesagt.
  • Du musst täglich 5 Shakes trinken, hat deine Expertin für Nahrungsergänzungsmittel und Schneeballgeschäftssysteme gesagt.

Tu mir einen Gefallen, Scheuklappen auf, suder ned und tua afoch!

Denn Kohlenhydrate nach 17:00 Uhr machen nicht dick, es ist das viele Essen, das dich dick macht

Es ist faszinierend. Noch nie war Fitness und Gesundheit so leicht zugänglich wie heutzutage. Trainingsangebote an jeder Straßenecke, Supermärkte haben nahezu alles, was das Healthy-Lifestyle-Herz begehrt und dennoch werden die Leute immer fetter und unfitter.

Das Problem ist, dass die meisten Leute Sport und Fitness zerdenken und am Ende des Tages auf das Wesentliche vergessen, nämlich auf das Training selbst.

Während sie verzweifelt überlegen, welches ihrer drei Paar Laufschuhe sie anziehen sollen und wie sie mit ihrem 450 Euro GPS-Puls-Alleskönner-Wecker am Handgelenk ihre Pulsgrenzen austesten können, vergessen sie aufs Eigentliche, nämlich auf das Lauftraining. Schneller, weiter, härter, ENDE. Kein Mensch, der zu laufen beginnt, braucht sich vor Pulsgrenzen fürchten, die er nicht überschreiten darf. Wäre es das Problem, dass sich die Menschen so leicht und gern überfordern und nur nach zu viel Bewegung lechzen, dann gäbe es nicht so viele adipöse, unfitte Menschen! Ganz im Gegenteil, wenn überhaupt, dann brauchen sie Pulsuntergrenzen, die sie nicht unterschreiten dürfen.

Selbiges gilt für die Ernährung. In ihrem „äußerlichen“ Gesundheitswahn durchstöbern Leute den Supermarkt nach frischen Avocados für ihren Gojibeeren-Chia-ehschonwissen-Superfood-Salat, vergessen aber auch hier auf das Wesentliche. Und zwar auf die negative Kalorienbilanz. Tja, gesundes Essen an sich unterstützt noch lange nicht den Abnehmprozess. Ertänke ich jeden Salat in frischem Bio-Leinöl, verleibe ich mir für den Durst zwischendurch einen Antioxidantien-Kraft-Vital-Smoothie ein und verdrücke ich am Abend ohne schlechtes Gewissen eine Packung Nüsse, dann darf ich mich nicht wundern, dass ich zunehme. Doch leider wundern sich die meisten schon, denn schau wie gesund sie nicht sind! Sie lassen am Abend ja die bösen Chips und Kohlenhydrate weg.

Man muss kein Experte sein, um diese krasse Entwicklung zu erkennen. Nach außen hin werden wir stetig gesünder und vitaler, währenddessen wir uns aber tatsächlich in die komplett gegenteilige Richtung entwickeln. Einmal im Freibad umgesehen, wird klar, dass der ach so boomende Fitnesstrend bloß Kulisse und eher eine Wunschvorstellung als Realität ist.

Ich glaube, es ist weniger Beleidigung als Realität, wenn ich behaupte, dass die meisten Leute bequemlich sind. Die Kulisse „Fitnesstrend“ unterstützt Leute eher in ihrer faulen Denkweise, als sie zu bekehren. Sie essen gerne über den Hunger und bewegen sich nicht gerne.

Amüsant, dass es möglich ist, an dieser Denkweise nichts verändern zu müssen und trotzdem das Gefühl zu haben, dem Fitnesstrend beizuwohnen. Sobald Bio, Vegan, Laktosefrei, Glutenfrei oder High Protein auf der Verpackung steht, ist es offiziell „gesund“ und gilt als Freibrief, sich maßlos daran zu bedienen. Schließlich sind die Bio-Fruchtgummis zum Abnehmen gedacht, die Haribo Goldbärchen hingegen sind die reinsten Dickmacher.

Auch über Gymnastikbälle rollen oder auf bunten Schaumstoffkissen stehen, während wir Schwungstäbe schütteln, macht uns rundum fit. Nicht zu vergessen: die Waldspaziergänge mit 0,5 kg Hanteln in den Händen und GPS-Pulsmesser am Arm, der uns mit Pieps-Alarmsignal davor bewahrt, zu schnell zu gehen. Ohne dem würde es ja sowieso nicht funktionieren, das Training wäre ja nur halb so effektiv, wenn wir unsere tolle sportliche Leistung nicht im Anschluss direkt auf Facebook posten könnten. Erst dann hat man sich den Smoothie so richtig verdient.

Der Fitnessmarkt ist wie die Ablasszahlung in der Kirche. Sobald du zahlst, bist du fit. Das spielt es nur leider nicht, denn wer die neueste Trainingsbekleidung im Kasten hat und in zwei Fitnessstudios gleichzeitig angemeldet ist, ist noch lange kein Adonis. Selbiges gilt für denjenigen, der das Cola gegen eine Smoothie tauscht, denn auch er verschafft sich auf diese Weise nur ein ruhiges Gewissen, aber bestimmt keinen Traumkörper.

Aufwachen, mitdenken, nicht über den Tisch ziehen lassen. Konzentriert euch auf das Wesentliche und auf den effektivsten Weg zu eurem Ziel. Macht nicht was alle machen, macht das was wirkt. Was das ist? Na was es immer war und immer sein wird. Echtes Training und kein fancy shit!

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