Der Anfang von Straight Training

Der Anfang von Straight

Um euch das zu erklären, würde ich euch meine persönliche Geschichte erzählen.

Sport war in meinem Leben immer präsent, eine Art Konstante. Fast alle Umstände änderten sich im Laufe meines Lebens, aber Sport war immer da. Dieses sportliche Interesse war bei mir jedoch anders ausgeprägt, als vermutlich bei dem Großteil anderer, gleichaltriger Kinder. Sie interessierten sich für Fußball, Tennis oder ähnliche Sportarten. Ich interessierte mich vielmehr für Konditionstraining. Wie ich darauf gekommen bin? Ich spielte Tennis und hatte regelmäßig Tennisstunden. Nach alter Manier, und pädagogisch hinterfragbar, gab es öfters „Strafen“ in Form von Konditionstraining. Liegestütz, Strafläufe und so weiter standen an der Tagesordnung. Die anderen Kinder hassten es, aber ich liebte es. Ich hatte diese „Strafen“ sogar lieber als das eigentliche Tennistraining. Auch in der Schule lief ich lieber meine Runden um den Sportplatz, als mit den anderen Schülern Fußball zu spielen. Laufen ohne Ball? Das hat natürlich sehr befremdlich gewirkt und machte mich nicht gerade beliebt.

Jedenfalls habe ich bereits begonnen regelmäßig zu trainieren, als ich mit meinem Bruder am Skilift saß und er mir begeistert von dem Buch „Fit in 100 Tagen“ von Heinrich Bergmüller, erzählt hat. Ein sehr verständlich und einfach geschriebenes Buch über Trainingsplanung und Leistungsdiagnostik. Zugegeben, anfangs war ich skeptisch, aber ließ mich dann doch darauf ein, und begann dieses Buch zu lesen. Es geht in erster Linie um moderates Ausdauertraining unter der aeroben Schwelle. Nicht gerade sexy für einen Jugendlichen, deshalb die anfängliche Skepsis, aber aus irgendeinem Grund ließ es mich die Thematik nicht los. Sie interessierte mich sogar so sehr, dass ich mein gesamtes Gehalt meines Ferialpraktikums dafür verwendete, mir einen Ergometer zu kaufen, auf dem ich nahezu täglich meine Einheiten abradelte. Mein einziges Hobby zu diesem Zeitpunkt war Training und dessen Planung und Steuerung. Ohne zu wissen, was Trainingswissenschaft überhaupt ist, war ich schon ziemlich tief in dieser Materie. Ich kam mir vor wie ein Buchhalter. Ich sammelte Werte und Zahlen, stellte Analysen, Berechnungen, Grafiken, Prognosen und Planungen an.

Währenddessen sparte ich mein gesamtes Taschengeld, um mir einen Laktatstufentest leisten zu können. Bei € 40,- pro Monat Taschengeld dauerte es eine Weile, aber irgendwann war es dann endlich soweit. An den Tag dieser Leistungsidagnostik kann ich mich noch sehr gut erinnern. Ich saß in diesem Wartezimmer und war unfassbar aufgeregt. Der ehemalige Fußballer Toni Polster und die damals noch aktive Skirennläuferin Michaela Kirchgasser waren ebenso vor Ort. Kurz kam die Frage auf, ob Michaela oder ich zuerst an der Reihe sind. Zu meinem Erstaunen ließ sie mir den Vortritt. Ich war überaus geehrt. Diese Gleichberechtigung und Wertschätzung zwischen Profi- und Hobbysportler hinterließen bei mir einen bleibenden Eindruck. Nach dem Laktatstufentest stand die Nachbesprechung an. In einem persönlichen Gespräch mit Herrn Bergmüller wurde die Leistungsdiagnostik interpretiert und über die, für die Trainingsplanung relevanten, Erkenntnisse gesprochen. Er schien etwas verwundert, als ich mein Trainingslogbuch, meine Berechnungen und einen Schmierzettel voller Fragen auspackte. Ich denke ich hinterließ einen eher gemischten Eindruck. Einerseits war er bestimmt beeindruckt oder amüsiert, dass ein 15 Jähriger alles über die Veränderung der Laktatleistungskurve wissen möchte, aber andererseits auch genervt, da ich ihm mehr Zeit als vorgesehen gekostet habe.

Jedenfalls prägte mich dieser Tag wie kein zweiter, und vielleicht war er sogar der Auslöser für meinen beruflichen Werdegang. Zwar dachte ich noch nicht, dass ich selbst eines Tages Trainer werden könnte, aber ich war auf jeden Fall überaus beeindruckt. Die Tüftelei an der Trainingssteuerung ging weiter. Gemeinsam mit meinem Bruder bastelte ich an Excel Listen, wir zeichneten Funktionen und interpolierten Laktatwerte. Ich habe das Thema Trainingswissenschaften für mich gewonnen und es blieb eine große Leidenschaft. Lange Zeit später kam dann der logische Schritt. Ich entschloss mich Trainer zu werden. Mit dem Sportstudium konnte ich mich dann voll und ganz dieser Materie widmen.

Auch jetzt als Trainer hält diese Begeisterung noch an. Denn der Trainerjob ist für mich weit mehr als ein Beruf, um Geld zu verdienen. Es ist Ehrgeiz und die Liebe am Wettkampf. Der Wettkampf ist etwas unglaublich Schönes, und faszinierte mich schon als ich noch selbst leistungssportlich aktiv war. Es ist dieser aufregende Machtkampf. Der Versuch durch Training etwas Unberechenbares berechenbar zu machen. Das Bemühen sich besser vorzubereiten als andere, um dann an einem Stichtag möglichst viel dieser Leistung abrufen zu können. Diese Performance muss letzten Endes noch besser als die deiner Mitstreiter sein – denn nur dann gewinnst du. Herrlich, oder? An sich ist ein Wettkampf einfach. Ein einfacher Vergleich. Der Bessere gewinnt. Ende. Diese Einfachheit und Reinheit in der Ausübung selbst, gepaart mit der Komplexität in der Vorbereitung, haben mich fasziniert.

Die Arbeit mit meinen Athleten ermöglicht mir dieses Gefühl nicht nur wieder, sondern noch viel intensiver zu erleben. Der Athlet und ich – ein unschlagbares Team. Gemeinsam nehmen wir ein Projekt in Angriff, planen die Strategie und setzen sie mit allen Höhen und Tiefen gemeinsam um. All die Mühen, um uns zu guter Letzt dem Wettkampf zu stellen. Egal wie dieser ausgeht, eines steht fest: Es ist ein gemeinsamer Sieg oder eine gemeinsame Niederlage. Wir teilen die Freude oder auch die Tränen. Die Tüftelei in der Trainingssteuerung, das Wettkampffieber und das berauschende Gefühl zu gewinnen. Die Athleten erlauben mir die Gefühle von damals immer wieder neu zu erfahren und ermöglichen mir meinen Traum zu leben, während ich ihnen dabei helfe ihren Traum zu leben. Dieses Wechselspiel der Abhängigkeiten erzeugt ein unglaublich schönes Gefühl von Teamgeist und Wertschätzung. Dafür bin ich jedem meiner Athleten unbeschreiblich dankbar. Denn sie sind mein Antrieb und meine Motivation.

Du möchtest meine gesamte Geschichte lesen? Das freut mich sehr. Hier hast du die Gelegenheit dazu.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

*

code

Menü